40 Jahre THING

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Hans-Dieter Hüsch, Bill Ramsey und Django Asül sich die Klinke in die Hand gaben 

– Von Kerstin Kaminsky – Erschienen am 15.05.2019 im Weilburger Tageblatt

Die Kleinkunstbühne Thing in Limburg feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Nach wie vor wird das Thing durch ehrenamtliches Engagement getragen. Die Vorsitzenden Dieter Keller, Birgitt Zanger und Urgestein Gerd Menzler blicken zurück.

LIMBURG – Weil sie Kleinkunst liebten und für anspruchsvolle Programme jenseits des abendlichen Fernsehflimmerns nicht immer nach Mainz, Wiesbaden oder Frankfurt fahren wollten, gründete eine Handvoll unerschrockener Idealisten die Kleinkunstbühne Thing. In diesem Jahr feiert das nach wie vor durch ehrenamtliches Engagement getragene Thing sein 40-jähriges Bestehen.

Start 1979 in einer
Staffeler Kneipe

In einer Staffeler Kneipe, die nach den Vorstellungen der Thing-Initiatoren umgebaut worden war, eröffnete die „Barrelhouse Jazzband“ im September 1979 das Programm. „Die gehören immer noch zu den Highlights im Veranstaltungskalender“, sagt der erste Vorsitzende Dieter Keller. Anfang dieses Jahres waren die Meister des klassischen New-Orleans-Jazz bereits zum 35. Mal zu Gast im Thing.

Bill Ramsey, Peter Horten, Hans-Dieter Hüsch, Klaus Lage, Bettina Wegner, Django Asül, Rock 4, Dunja Rajter … von Folklore über Kabarett bis zu Blues und Zigeunermusik reicht das kulturelle Spektrum im Programm des Thing.

1982 sah sich die Kleinkunstbühne Thing gezwungen, ein neues Domizil zu suchen und nahm das Angebot vom Chef der Limburger Stadthalle an, künftig die Clubebene zu nutzen. Statt 100 passten nun bis zu 250 Gäste in den Saal. „Aber die urige Kneipenatmosphäre war dahin, und das hatte unseren damaligen Vorsitzenden und Programmgestalter Günter Lefèvre sogar bewogen, das Handtuch zu werfen“, erinnert sich Gerd Menzler (81). In seinem Ursprung sei das Thing nämlich viel mehr gewesen als ein Ort für Konzerte und Kabarett. Es gab Kinder-Nachmittage, Jugend-Discos, Kunstausstellungen, Modeschauen, Beaujolais-Abende und vieles mehr. Sogar ein selbst inszeniertes Theaterstück hatte das Team auf die Bühne gebracht.

Auch wenn es nach dem Ortswechsel eine Durststrecke gab, so wirkten sich der Umzug ins Limburger Zentrum und das neue Konzept schließlich positiv auf die Mitgliederzahl im Verein Thing aus.

Waren es bei Vereinsgründung gerade mal sieben, so wuchs die Zahl kontinuierlich. Heute sind es 113. In der Stadthalle wurden die Veranstaltungen geschlossener und offizieller, doch blieb das hochwertige Angebot mit einer Mischung von prominenten und weniger bekannten Künstlern erhalten.

Ob denn auch mal was schiefgegangen ist? Dieter Keller erinnert sich, dass der Kabarettist Michael Krebs einst krankheitsbedingt absagen musste. Auch am Ersatztermin kam er nicht. Erst unmittelbar vor Beginn der Vorstellung sei die Nachricht gekommen, dass der Künstler verhindert ist. „Zum Trost brachte man uns 20 CDs – ein Witz, wenn man bedenkt, dass wir ein volles Haus hatten.“

Egal wie viele Zuschauer – eines der Erfolgsrezepte vom Thing ist die Nähe zwischen den Machern, den Künstlern und dem Publikum. „Eine der schönsten Veranstaltungen war für mich der Auftritt von Hans Keller aus Hamburg“. blickt die zweite Vorsitzende Birgitt Zanger zurück. „Und das, obwohl gerademal 20 Besucher diesen Sänger mit seinen Brel-Chansons erleben wollten.“

Vor nunmehr 14 Jahren hat Martin Horne die Programmgestaltung übernommen. „Das ist ein echter Profi. Er hat die Trends in der Szene erkannt, das Programm verjüngt und es an die Interessen des Publikums angepasst“, lobt Gerd Menzler. So habe sich zum Beispiel „Kunst für Bares“ zu einem echten Renner entwickelt und auch einen eigenen Poetry-Slam, also einen Wettstreit der Wortakrobaten, hat das Thing kürzlich ins Leben gerufen.

Mit einer Jubiläumsgala feiert die Kleinkunstbühne Thing am 29. September 40 Jahre bewegte Vereinsgeschichte. „Das wird eine rasante Reise durch alle Jahrzehnte und alle Genres“, verspricht Dieter Keller. Er hofft, dass es noch viele runde Geburtstage zu feiern gibt, weil ihm die ehrenamtliche Arbeit sehr viel Spaß macht. „Und weil Limburg das Thing braucht“, betont er. „Wir sind aus der Kulturszene der Stadt einfach nicht wegzudenken- obwohl wir ja schon ein paar Mal totgesagt worden sind.“

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Was geschah in der Welt im Jahre 1979, unserem Gründungsjahr?

  • Das Ende der Roten Khmer
  • Der Beginn des islamischen Iran mit Khomeini und des irakischen Regimes mit Saddam Hussein
  • Franz Josef Strauß wird Kanzlerkandidat der CDU/CSU
  • Sony bringt seinen ersten Walkman auf den Markt
  • Das Pop-Musik-Album Nr. 1 in Deutschland ist „Voulez-vous“ von ABBA
  • Die erfolgreichste Single des Jahres ist „El Lute“ von Boney M.

Alles Ereignisse, die keine bleibenden Spuren in unserer Region hinterließen, außer der Gründung des THING, der Kleinkunstbühne; germanisch so viel wie: Versammlungs- und Gerichtsstätte, also ein Ort, an dem wir uns bis heute Ihrem Urteil stellen.

In einer Zeit, als man noch streng zwischen Hochkultur und populärem Vergnügen unterschied und zwischen E- und U-Musik, wagten einige Kulturbegeisterte die Gründung dieser Institution im Limburger Ortsteil Staffel, zu der sie aber erst im Lauf der Jahre werden musste, denn ein Selbstläufer war sie nicht. Alles Auf und Ab, die Künstler – viele zu Beginn ihrer Karriere bei uns, dann unbezahlbar geworden – können nicht aufgezählt werden.

Was aber stetig im Wandel der Zeiten geblieben ist:

  • Die Vielfalt der Programme (nicht alles für jeden, aber für viele etwas)
  • Die Ehrenamtlichkeit aller Arbeit, mit (fast) professioneller Qualität und Leidenschaft für eine Stätte der lebendigen Kleinkunst in Limburg
  • Ein treues Publikum, das – manchmal hätte es zahlreicher sein dürfen – uns unterstützt, wie auch die Vereinsmitglieder, auch wenn es bei uns keinen Event-Rummel gab und manch vollmundiger Konkurrenz-Versuch, sich dann von selbst erledigte.

 

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